Dr. Patrick Trutwein
Für mutiges Handeln im Mittelstand.
Dr. Patrick Trutwein beweist, dass konsequentes Risikomanagement auch in einem volatilen und sich strukturell verändernden Marktumfeld kein Hindernis für Innovation darstellt, sondern mutiges Handeln essenziell fördern kann. Seit 2022 verantwortet er in einer Doppelrolle als Chief Risk Officer (CRO) und Chief Operating Officer (COO) das operative Geschäft und die Risikosteuerung im Vorstand der IKB Deutsche Industriebank AG. Bereits zuvor war er als CRO und in verschiedenen leitenden Funktionen in den Bereichen Transformation und Entwicklung in der IKB tätig.
Seine tiefe strategische Expertise erarbeitete er sich in über 20 Jahren in verschiedenen Schnittstellen der Finanz- und Beratungswelt. Unter anderem war er Vice President bei der Deutschen Bank in New York, aber auch Associate Principal bei McKinsey & Company. Parallel zur Praxis machte er sich auch akademisch einen Namen. Seine wissenschaftliche Arbeit, unter anderem im Bereich Kreditrisikoanalyse unter Stressbedingungen, wurde in bedeutenden Fachmedien wie dem Journal of International Financial Markets publiziert.
Dr. Patrick Trutwein fokussiert sich in seiner Rolle konsequent auf die Zukunftsfähigkeit des deutschen Mittelstands und damit auf das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Auf dem Ludwig-Erhardt-Gipfel sagte er, dass insbesondere drei Themen eine zentrale Rolle für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland spielen werden: 1. Innovation als Antwort auf den demografischen Wandel und zur notwendigen Produktivitätssteigerung, 2. Internationalisierung zur Stärkung der unternehmerischen Resilienz, ohne schädliche Konzentrationsrisiken, sowie 3. Eine weitreichende Modernisierung der Infrastruktur, die das Betriebssystem eines Landes darstellt.
Dr. Patrick Trutwein beweist in seinem täglichen Handeln einen ganzheitlichen Blick auf Wirtschaft und Mittelstand. Dabei sieht er Banken nicht als bloße Kreditgeber, sondern setzt sich für eine aktive und verlässliche Rolle als Ermöglicher ein. Die Finanzierungen der IKB tragen dazu bei, den unternehmerischen Mut im Mittelstand zu fördern. Dabei zeigt er in seiner Position, dass ein modernes Risikomanagement und der ökonomische Aufbruch untrennbar zusammengehören. Die Hall of Future würdigt Dr. Patrick Trutwein für seinen passionierten Einsatz für den Mittelstand und seine bedeutende Rolle für das Unternehmertum in Deutschland.
Ein Kurzinterview. Über die Zukunft des Menschen: Wie Innovation uns befähigt statt marginalisiert.
Wie sehen Sie die Welt im Jahr 2050, und was wünschen Sie sich?
Wenn ich den Fokus auf Demographie und Innovation richte, ist die entscheidende Frage der nächsten 25 Jahre keine technologische, sondern eine gesellschaftliche: Gelingt es uns, eine Welt zu gestalten, in der technische Weiterentwicklungen zu einer Befähigung, und nicht zu einer Marginalisierung, des Menschen führen? Mit dem Vormarsch der künstlichen Intelligenz verändern sich Tempo und Struktur der Wertschöpfung grundlegend. Wir sehen bereits heute, wie Multi-Agent-Systeme komplexe Aufgaben übernehmen und grundlegende Prozesse transformieren. Ich wünsche mir eine Wirtschaft, in der die überwältigende Mehrheit der Menschen diese Entwicklung nutzt, um produktiver und selbstbestimmter zu arbeiten. Das dystopische Alternativszenario würde nämlich eine Dichotomie zwischen produktiven Leistungsträgern und wirtschaftlich Abhängigen bedeuten. Es braucht also Investitionen in Bildung und Weiterentwicklung in verantwortlichen Unternehmen, die den rasanten technischen Fortschritt mit menschlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen vereinen.
Warum macht die Zukunft ein anderes Wirtschaften notwendig?
Wir erleben eine seltene historische Konstellation. Auf der einen Seite technologische Möglichkeiten, ob Quantencomputing, generative KI oder autonome Systeme. Auf der anderen Seite wachsende gesellschaftliche und demografische Herausforderungen, geopolitische Fragmentierung und eine Risikolandschaft, die klassische Planungsmodelle zunehmend an ihre Grenzen bringt. Mario Draghi hat in seinem Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit den Befund klar formuliert: Europa investiert zu wenig in die Technologien, die über seine künftige Stellung entscheiden werden. KI ist dabei kein Selbstläufer – sie entfaltet ihr Potenzial nur, wenn Unternehmen sie systematisch einsetzen und ihre Organisation darauf ausrichten. Die zentrale Frage lautet daher: Wie bleiben Unternehmen in dieser Dynamik handlungsfähig und resilient? Qualitatives Wirtschaften bedeutet für mich deshalb zweierlei: Chancen und Risiken gleichermaßen zu verstehen und gleichzeitig die Fähigkeit zu entwickeln, mit Unsicherheit strategisch umzugehen, statt sie zu ignorieren.
Erzählen Sie uns bitte von einem Schlüsselerlebnis, das Ihre Weltanschauung verändert hat.
Das Young Leaders Forum des BDI 2018 in Berlin war für mich genau solch ein Moment, in dem ich verstanden habe, wie Gegenwart und Zukunft gleichzeitig im Raum stehen können. Innerhalb weniger Tage diskutierten wir über Quantencomputing, Hyperloop, elektrische Luftmobilität und Distributed-Ledger-Technologien – Themen, die damals noch nach Zukunft klangen und zunehmend Realität werden. Gleichzeitig erlebten wir die politische Disruption jener Jahre unmittelbar: den Brexit, das beginnende Decoupling zwischen den USA und China, eine Europapolitik unter wachsendem Druck. Gespräche mit Persönlichkeiten aus Politik wie Alexander Graf Lambsdorff und der Wirtschaft wie Johannes Teyssen haben mir dabei eines klar gemacht: Die Zukunft gehört nicht denjenigen Unternehmen mit den stärksten Prognosen, sondern denen, die bereit sind, ihre eigenen Annahmen permanent zu hinterfragen und dann konsequent zu handeln. Dieses Erlebnis hat meinen Blick auf Risiko und Chance und vor allem Zukunftsnarrative dauerhaft verändert – und ist bis heute der rote Faden in dem, was ich tue.
Was sind die für Sie wichtigsten Parameter der Qualitativen Ökonomie?
Der wichtigste ist für mich Vertrauen. Nicht als weicher Faktor, sondern als systemische Effizienzgröße mit messbarem Gewicht. Niklas Luhmann hat das in seiner Systemtheorie präzise beschrieben: Systeme, die auf Vertrauen basieren, reduzieren Komplexität und Transaktionskosten fundamental. Das ist kein abstraktes Konzept – es schlägt sich direkt in der Qualität von Investitionsentscheidungen, in der Belastbarkeit von Partnerschaften und in der Geschwindigkeit nieder, mit der Organisationen auf Unsicherheit reagieren können. Ich höre zu häufig, wie viel Energie in rein transaktionale, absicherungsgetriebene Beziehungen und Bürokratie fließt und wie wenig davon wirklich wertschöpfend ist. Das langfristig überlegene Modell ist ein anderes: partnerschaftliche, auf Dauer angelegte Beziehungen, in denen gegenseitige Generosität möglich ist. Und es ist kein Zufall, dass genau dies die Resilienz und langfristige Stabilität von Unternehmen unterstützt.
Was sollten wir tun, und was sollten wir lassen, um qualitative Ökonomie zu schaffen?
Erstens: In Narrativen denken. Das bedeutet nicht nur „connecting the dots“, sondern auch zu verstehen, wie sich diese „dots“ zueinander verhalten und bewegen. Zweitens: Gezielter und mehr investieren. Und drittens: Tatsächlich handeln. Erkenntnis und rechtfertigende Problembeschreibungen reichen nicht, um eine intelligente Lösung umzusetzen. Das sind für mich die relevanten Imperative. Für Unternehmen heißt das konkret: Zukunftsszenarien aktiv durchspielen, die Wirkung neuer Technologien wie KI wirklich begreifen, Experimentierfreude strukturell fördern und Fortschritte mit klaren Kennzahlen sichtbar machen. Was wir lassen sollten, ist das Denken in Quartalen, das langfristige Wertschöpfung systematisch diskontiert. Innovation und internationale Teilhabe sind aus Unternehmenssicht der Schlüssel. Aber die häufigste Fehlerquelle in Organisationen ist nicht mangelndes Wissen darum, sondern die fehlende Konsequenz in der Umsetzung. Diese Lektion gilt in einem schnelllebigen Umfeld heute mehr denn je.
