Burkhard Kübel-Sorger

Für weltweiten Wohlstand durch gezielte Investitionen, die Leben verändern.

Burkhard Kübel-Sorger ist Finanzexperte und Vice President der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD), eine der bedeutendsten Entwicklungsbanken weltweit, die in 38 Ländern von Mitteleuropa über den Kaukasus bis Zentralasien, aber auch im Mittelmeerraum über Nordafrika bis Subsahara-Afrika tätig ist. Als CFO agiert Burkhard Kübel-Sorger mit einer großen Verantwortung: Die Bank unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung vor allem des privaten Sektors durch die Finanzierung von Infrastruktur, Banken, Industrie und mittelständischen Unternehmen mit einem Schwerpunkt auf Projekte im Bereich des Klimaschutzes. Zudem begleitet EBRD parallel dazu auch politische Reformprozesse, fördert nachhaltiges Wachstum und unterstützt den Übergang zu stabilen und funktionierenden Marktwirtschaften. EBRD ist u.a. auch besonders in Krisenzeiten aktiv, etwa durch die umfangreiche Unterstützung für die Ukraine.
Bevor er zur EBRD wechselte, war Burkhard Kübel-Sorger CFO und Vorstandsmitglied der J.P. Morgan SE in Frankfurt einem der global führenden Finanzinstitute. Er prägte in verschiedenen Rollen sowohl finanzielle als auch strategische Entscheidungen zum Aufbau der J.P. Morgan SE als europäische Geschäftseinheit des Konzerns als Folge des Brexit. Zudem war er Vorstandsvorsitzender des Verbands Internationaler Banken.
Burkhard Kübel-Sorger gilt als Vertreter einer qualitativen Ökonomie – nicht nur im europäischen Kontext, sondern mit Wirkung auf mehreren Kontinenten. Für ihn stehen die langfristige Werthaltigkeit von Investitionen sowie deren gesellschaftlicher Einfluss im Mittelpunkt. Sein Ziel ist ein wirtschaftliches Verständnis, dessen Erfolg sich daran misst, inwieweit sich die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig verbessern.
In seiner Tätigkeit bei der EBRD gestaltet er aktiv ein finanzielles Umfeld mit, das Unternehmen ermöglicht, langfristig und nachhaltig zu wachsen. Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist dabei u.a. die Mobilisierung privater Investitionen, die sich an der Seite der EBRD finanziell engagieren wollen. Um hier nachhaltigen Erfolg zu haben bedarf es eines engen Dialogs mit potentieller Investoren, einer innovativen Schlagkraft sowie einer enge Kooperation im Verbund der multi-nationalen Entwicklungsbanken.

Burkhard Kübel-Sorger schafft durch seine Tätigkeit die Grundlage für nachhaltigen Wohlstand. Unter seiner Mitwirkung investiert die EBRD maßgeblich in essenzielle Infrastrukturprojekte – von der Modernisierung der Verkehrsnetze und Wasserversorgung bis hin zur digitalen Transformation. Dabei sind diese Projekte für diese Regionen von zentraler Bedeutung für z. B. die Versorgungssicherheit. So werden Energiewende-Programme in Zentralasien finanziert, Energieprojekte in der Ukraine realisiert und auch die nachhaltige Unternehmensentwicklung im Mittelmeerraum gefördert. Damit entsteht ein wirtschaftlicher Wirkungskreis, der weit über einzelne Märkte hinausgeht. Durch sein Verständnis Risiko, so einzusetzen, dass dieses einen langfristigen Erfolg des Unternehmens sichert, aber auch gleichzeitig Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt übernimmt, ist er ein entscheidender Vorreiter der qualitativen Ökonomie.

Ein Kurzinterview. Über Stakeholder-Value und wie Teilhabe zu Frieden führen wird.

Wie sehen Sie die Welt im Jahr 2050, und was wünschen Sie sich?

In einer Welt, die mehr als jemals zuvor in den letzten 50 Jahren von geopolitischen Konflikten, von den Auswirkungen des globalen Klimawandels, dem wachsenden Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich, den noch nicht ganz erfassten dramatischen Folgen des demografischen Wandels und der immer stärkeren Einflussnahmen der sich rasant entwickelten Digitalisierung auf Wirtschaft und Gesellschaft ausgesetzt ist, wünsche ich mir ein Umdenken zu mehr Teilhabe. Teilhabe zwischen Arm und Reich, zwischen Nord und Süd sowie Ost und West, zwischen Jung und Alt und zwischen Mensch und Natur. Ein Spirit der Teilhabe kann und sollte internationale Kooperation und gesellschaftliche Bündnisse und damit letztendlich zu Nachhaltigkeit und zu Frieden führen.

Warum macht die Zukunft ein anderes Wirtschaften notwendig?

Eine Wirtschaft, die ihren Erfolg am Gewinn misst und auf dem Konzept des Shareholder-Value basiert, wird nicht die Antworten auf die großen Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte liefern. Stattdessen sollte es das Ziel sein, mehr den Stakeholder-Value in den Vordergrund zu rücken. Eine Wirtschaft, die nicht zerstört, sondern heilt. Eine Wirtschaft, die auf Nachhaltigkeit und regenerative Prinzipien aufbaut, ihren aktiven Beitrag und ihre Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt anerkennt. Erfolg wird neu definiert und wird daran gemessen, wie sehr wir das Leben verbessern – für Menschen, für Gemeinschaften, für unseren Planeten. Somit sind auch neue Technologien und Innovationen in diesem Zusammenhang zu sehen und zu entwickeln. Und somit entsteht eine Gesellschaft, die nicht trennt, sondern verbindet und Wohlstand, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zum Herzschlag macht.

Erzählen Sie uns bitte von einem Schlüsselerlebnis, das Ihre Weltanschauung verändert hat.

Ich kann nicht sagen, dass es ein Schlüsselerlebnis gibt, das meine Weltanschauung verändert hat, oder ob es nicht vielmehr viele Begegnungen und Gespräche waren, die meine Ansichten nach und nach geprägt haben, sei es die unglaubliche Gastfreundschaft in einem Slum in Poona Anfang der 90er Jahre, die bewegenden Gespräch über Vergebung in Südafrika nach Beendigung der Apartheit, das nervenaufreibenden Diskussionen an einer Waldorf-Schule über die Prinzipien der sozialen Teilhabe und die Einführung eines Solidaritätsfonds für einkommensschwache Familien oder die Verzweiflung eines jungen Mannes aus Serbien, der ohne private Unterstützung an den Folgen eine Unfall gestorben wäre. Viele dieser Begegnungen haben mich dünnhäutiger und in Verbindung mit meiner eigenen spirituellen Reise bewusster gemacht.

Was sind die für Sie wichtigsten Parameter der Qualitativen Ökonomie? 

Ganz oben kann angesichts der Auswirkungen des Klimawandels nur die Nachhaltigkeit stehen, d.h. Ressourcenschonung und Klimaneutralität. Andere wichtige Parameter sind soziale Gerechtigkeit, Fokus auf Wohlergehen, Gesundheit und Bildung, Partizipation verbunden mit Transparenz, Resilienz und Langfristigkeit und Innovationsorientierung für das Gemeinwohl.

Was sollten wir tun, und was sollten wir lassen, um qualitative Ökonomie zu schaffen?

Es bedarf zunächst eines ungeschönten gesellschaftlichen Dialogs durch Politik, Wirtschaft und Vertreter der Zivilgesellschaft, mit der Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten auszusprechen ohne gleich Angst zu schüren, ohne Schuldzuweisung und mit der Bereitschaft mit offenen Herzen und offen Ohren zuzuhören und zu verstehen. Dieser Dialog, fast schon in Form eines Councils, kann auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden und kann dann letztendlich die Antworten auf die von den oben gestellten Fragen finden.

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