Aygül Özkan

Verantwortung leben und Zukunft gestalten.

Aygül Özkan gehört zu den prägenden Stimmen der deutschen Immobilienwirtschaft, weit über ihre Aufgabe als Hauptgeschäftsführerin des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e. V. – dem Spitzenverband der deutschen Immobilienwirtschaft – hinaus.

Als Volljuristin war sie zwischen 1998 und 2020 in diversen Managementfunktionen tätig, unter anderem bei der Deutschen Telekom und der Deutschen Bank. Ihr Interesse an gesellschaftlichen Fragen führte sie früh in die Politik. Von 2008 bis 2010 war sie Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft und Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses. Im Jahr 2010 übernahm sie das Amt der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit, Bau und Integration. Damit wurde sie die erste Ministerin in Deutschland mit Zuwanderungsgeschichte. In dieser Zeit setzte sie wichtige Impulse für gesellschaftliche Teilhabe und Integration.

Ihre Leistungen fanden früh Anerkennung. 2010 wurde sie in die Liste „Junge Elite 40 unter 40“ des Business Magazins Capital aufgenommen. 2011 ernannte sie das World Economic Forum in Davos zur „Young Global Leader“. Seit 2010 engagiert sie sich zudem im Rat der Stiftung Lebendige Stadt und ist in verschiedenen Aufsichtsräten und Beiräten vertreten.

Im ZIA gestaltet Aygül Özkan heute die Weiterentwicklung der Immobilienwirtschaft entscheidend mit. Sie hat die PropTech-Plattform des Verbandes maßgeblich mitgegründet und stärkt die Themen Innovation und Digitalisierung innerhalb der Branche.

Der Lebensweg von Aygül Özkan zeigt eine besondere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung voranzubringen. Ihre politischen und unternehmerischen Erfahrungen verbindet sie mit einem klaren Blick für Integration, gesellschaftliche Teilhabe und eine solide wirtschaftliche Entwicklung. Sie steht für eine Führungskultur, die langfristig denkt und Werte in den Mittelpunkt stellt. Damit verkörpert sie in besonderer Weise die Idee einer Quality Economy.

Ein Kurzinterview. Über die Frage, wie breit gedachter Fortschritt gelingt und warum Nachhaltigkeit und Vielfalt keine Nischenthemen sind.

Wie sehen Sie die Welt im Jahr 2050, und was wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir eine Welt im Jahr 2050, die mutiger, vernetzter, nachhaltiger und gerechter ist als heute. Eine Welt, in der wir technologische Möglichkeiten konsequent nutzen, um Lebensqualität zu verbessern – nicht abstrakt, sondern ganz konkret: beim Wohnen, Arbeiten, Mobilsein und beim Umgang mit Ressourcen. Digitalisierung und Innovation sind dafür zentrale Hebel. Sie ermöglichen effizientere Prozesse, datenbasierte Entscheidungen und neue Geschäftsmodelle, die Wirtschaftlichkeit und Verantwortung zusammenbringen.
Bis 2050 müssen wir gelernt haben, Fortschritt breiter zu denken. Nachhaltigkeit darf kein Nischenthema mehr sein. Klimaschutz, Ressourcenschonung und soziale Verantwortung müssen zusammengedacht werden und bilden den Rahmen für wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entscheidungen.
Vor allem wünsche ich mir eine Gesellschaft, in der Vielfalt als Stärke verstanden wird. Eine Wirtschaft, die durchlässig ist, die Talente unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Hintergrund fördert und gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur lösen, wenn alle Perspektiven gehört werden – und wenn wir bereit sind, Verantwortung gemeinsam zu tragen.

Warum macht die Zukunft ein anderes Wirtschaften notwendig?

Weil sich unsere Rahmenbedingungen grundlegend verändern. Klimawandel, demografischer Druck und technologische Umbrüche lassen ein „Weiter so“ nicht mehr zu. Wir müssen schneller, digitaler und innovativer wirtschaften, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen.
Zukunftsfähiges Wirtschaften ist zudem inklusives Wirtschaften. Unternehmen, die auf Vielfalt, Durchlässigkeit und gleichberechtigte Teilhabe setzen, sind widerstandsfähiger und erfolgreicher. Das ist kein Idealismus, sondern eine klare Standortfrage.
Digitalisierung ist dabei Teil der Lösung: Sie macht Prozesse effizienter, senkt Kosten und schafft Transparenz. Innovation heißt aber auch, neue Wege der Zusammenarbeit zu gehen und Verantwortung langfristig zu denken.

Erzählen Sie uns bitte von einem Schlüsselerlebnis, das Ihre Weltanschauung verändert hat.

Ein prägendes Erlebnis war für mich, wie stark Herkunft, Bildungszugang und Netzwerke über Chancen entscheiden – oft sehr früh und häufig unabhängig von Leistung. Bei meinen unterschiedlichen beruflichen Stationen habe ich gesehen, wie viel Potenzial verloren geht, weil Systeme nicht durchlässig genug sind.
Aber ich habe auch sehr hautnah erfahren, wie wichtig Vorbilder sind – und dass es sich lohnt, manchmal die Erste auf einem steinigen Weg zu sein, um anderen die Tür zu öffnen. Als ich 2010 zur ersten Ministerin mit Migrationshintergrund in Deutschland ernannt wurde, ging ein kleines Beben durchs Land, das mich selbst überrascht hat. Ich habe dies Situation ins Positive gekehrt und die Neugier der Menschen genutzt, um viele Gespräche in der Gesellschaft anzustoßen. Auch das gehört zur Verantwortung der „Ersten“.

Was sind die für Sie wichtigsten Parameter der Qualitativen Ökonomie? 

Wir müssen wirtschaftliches Wachstum insgesamt neu denken. Für die Immobilienbranche bedeutet das konkret, Gebäude nicht nur als Investitionsobjekte zu sehen, sondern als Orte, die Menschen dienen und unsere Umwelt respektieren. Die Klimaneutralität bis 2045 ist kein Wunsch, sondern eine Verpflichtung. Sie gelingt nur, wenn wir wirtschaftliche Tragfähigkeit und ökologische Verantwortung zusammenbringen. Digitalisierung ist dabei einer der Schlüssel: Ohne verlässliche Daten und KI werden wir weder Energieeffizienz noch Transparenz erreichen. Ebenso wichtig ist die Kreislaufwirtschaft, denn wir können es uns nicht mehr leisten, Ressourcen zu verschwenden.
Und wir müssen mutig sein: nicht auf Perfektion warten, sondern pragmatische Lösungen umsetzen, die wir bei Bedarf anpassen können. Qualitative Ökonomie bedeutet, ins Handeln zu kommen, Erfahrungen zu sammeln und den Kurs anzupassen, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Genauso schaffen wir echten Fortschritt.

Was sollten wir tun, und was sollten wir lassen, um qualitative Ökonomie zu schaffen?

Wir müssen die Menschen und die Umwelt konsequent in den Mittelpunkt wirtschaftlicher Entscheidungen stellen. Nicht als Ersatz für ökonomische Werttreiber, sondern als deren Weiterentwicklung. Umsatzwachstum, Skaleneffekte und Kosteneffizienz bleiben wichtig, aber sie müssen durch qualitative Faktoren ergänzt werden: Der RISE-Ansatz der Hall of Future bietet dabei einen guten Maßstab. Klimaneutralität, Ressourcenschonung und soziale Akzeptanz dürfen in der Wahrnehmung nicht weniger relevant erscheinen als finanzielle Kennzahlen. Das bedeutet, dass wir neue Bewertungsmaßstäbe einführen, die ökologische und soziale Wirkung gleich gewichten.
Und es geht um Generationengerechtigkeit. Dazu gehört, jungen Menschen nicht nur zuzuhören. Sie müssen und sollen mitentscheiden – auch über das aktuelle Maß hinaus. Sie sind es schließlich, die die Folgen heutiger Entscheidungen tragen müssen.

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