Thorsten Schönenberger
Für eine Wirtschaft, die Werte schafft – heute und morgen.
Thorsten Schönenberger ist kein Manager, der nur in Quartalen denkt. Als Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) treibt er seit Jahren den Wandel zu einer wertebasierten Finanzwirtschaft voran. Er ist überzeugt: Nachhaltige Transformation ist keine Option, sondern eine Verpflichtung – für Banken, Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes.
In einer Zeit, in der ESG (Environmental, Social und Governance – auf Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) oft noch als regulatorische Pflicht begriffen wird, setzt Schönenberger auf echtes Gestalten. Unter seiner Verantwortung hat die LBBW das Immobilien- und Infrastrukturfinanzierungsgeschäft zur tragenden Säule ihrer Zukunftsstrategie gemacht – mit klarem Fokus auf Qualität, soziale Wirkung und ökologische Bilanz. Die Übernahme der Berlin Hyp AG, bei der er als Architekt des Zusammenschlusses wirkte, war mehr als eine strategische Fusion. Sie war ein Bekenntnis zu nachhaltigem Wachstum und zur Stärkung von ESG-Kompetenz im deutschen Bankensektor. Heute zählt die LBBW zu den führenden Emittenten grüner und nachhaltigkeitsbezogener Anleihen in Europa – eine Leistung, die eng mit seiner Person und Vision verknüpft ist.
„Nichts zu tun ist keine Option“, sagt Schönenberger über den notwendigen ökologischen Umbau. Diese Haltung prägt seinen Führungsstil: vorausschauend, prinzipientreu und mit einem Gespür für die Balance zwischen Ertrag und Verantwortung. Dabei steht er für Kontinuität statt Schnellschuss, für Substanz statt Show.
Was ihn dabei besonders macht, ist seine Fähigkeit, wirtschaftliche Klarheit mit kulturellem Tiefgang zu verbinden. Als Schatzmeister im Vorstand des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) engagiert er sich für Kunst und Kulturförderung als integrale Bestandteile gesellschaftlicher Entwicklung. Es ist kein Zufall, dass er auch dem Kunstkuratorium der LBBW vorsitzt – denn wer nachhaltige Strukturen schaffen will, muss mehr sehen als Zahlen, sagt er.
Thorsten Schönenberger steht exemplarisch für eine neue Generation von Finanzführern: integer, weitsichtig und überzeugt davon, dass Qualität – ökonomisch wie ethisch – die stärkste Währung der Zukunft ist.
Ein Kurzinterview. Über die Notwendigkeit über Quartalsergebnisse hinauszudenken.
Wie sehen Sie die Welt im Jahr 2050, und was wünschen Sie sich?
Ein größerer Teil der heutigen Herausforderungen wird technologisch gelöst sein.
Energieerzeugung, -transport, -speicherung wird sich stark weiterentwickelt haben. Neue Herausforderungen werden hinzugekommen sein. Der Afrikanische Kontinent wird eine größere Bedeutung einnehmen. Der Weg von einer westlichen Hegemonie zu einem quasi kontinentalen balance of power noch weit, aber er wird beschritten. Ob und welche Rolle Europa dann spielen wird, entscheidet sich kurz- bis mittelfristig. Als Europäer wünsche ich mir eine Besinnung auf Europa als USP. Mit klugen und vorausschauenden politischen Entscheidungen, als conditio sine qua non für eine qualitative und damit erfolgreiche Ökonomie.
Warum macht die Zukunft ein anderes Wirtschaften notwendig?
Gesellschaft braucht Wirtschaft. Wirtschaft braucht Wachstum. Wachstum muss nachhaltig
sein, im ökonomischen, ökologischen und sozialen Sinn. Eine erfolgreiche Gesellschaft braucht einen Konsens, eine gemeinsame Agenda. Die Agenda muss wünschenswert sein, das Wirtschaften erlebbar, der Fortschritt messbar (kurz-, mittel-, und langfristig).
Erzählen Sie uns bitte von einem Schlüsselerlebnis, das Ihre Weltanschauung verändert hat.
Meine Grundhaltung war und ist weniger durch ein Schlüsselerlebnis geprägt, sondern hat sich
seit dem Heranwachsen durch Studium und Lebenserfahrung gefestigt: „was nichts kostet, ist nichts wert“. Im Umkehrschluss – auch gesellschaftlich – immer eine gute Möglichkeit zur strategischen Überprüfung der Aufwandspositionen.
Was sind die für Sie wichtigsten Parameter der Qualitativen Ökonomie?
Wachstum, Innovation, Teilhabe, unternehmerische Verantwortung. Eine Haltung, von Staat,
Bürgern und Bürgerinnen und Unternehmen im Sinne von „Eigentum verpflichtet“
Was sollten wir tun, und was sollten wir lassen, um qualitative Ökonomie zu schaffen?
Lassen sollten wir es, strategische Themen in zu kurzen Zyklen zu denken – weder Quartalsberichte noch Legislaturperioden sind geeignete Horizonte für echte Transformation. Ebenso schädlich ist es, politische oder wirtschaftliche Glaubwürdigkeit durch überzogene Versprechen zu gefährden. Stattdessen sollten wir langfristige Ziele klar formulieren, sie mit greifbaren Etappen verbinden und den Beitrag jedes Einzelnen sichtbar machen. So wird nachhaltiger Wandel nicht nur verständlich, sondern auch motivierend und tragfähig.
